Im Gespräch mit Jürg Haltmeier, ehemaliger Inhaber der Berg + Tal AG, Alpinschule
Berg + Tal bietet persönlich und professionell geführte Bergtouren und Reisen an. Dazu zählen Kurse und Touren im In- und Ausland in verschiedenen Höhen sowie mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Hochtouren, Klettertouren, Trekkings, Expeditionen und Skitouren werden so komfortabel organisiert, dass sich die Teilnehmenden sorglos auf ihr einzigartiges Bergerlebnis konzentrieren können – in der Schweiz und weltweit.
Interview
Wie lange warst du die treibende Kraft im Unternehmen?
Im Herbst 1992 gründete ich die Berg + Tal AG, im 2012 übernahm ich zusätzlich die Höhenfieber AG, und war bis am 30. September 2025 die treibende Kraft.
Wie bist du deine Nachfolgeplanung angegangen?
Ich habe mich ab 2016 lehrbuchmässig darauf vorbereitet und besuchte vor dem Einstieg in die mir unbekannte Felswand zwei Seminare. Und bis zu meinem letzten Arbeitstag ging ich täglich in die Firma und arbeitete mit meinem Team, als gäbe es kein Ende. Alles ist und bleibt wichtig, so auch, die notwendigen Investitionen zu tätigen. Ich habe das Unternehmen auf ein Niveau entwickelt, auf welchem ein Nachfolger dieses nahtlos und gewinnbringend weiterführen kann. Niemand kauft ein Unternehmen, das in den Seilen hängt.
Was waren die weiteren Schritte, um die geplante Nachfolge umzusetzen?
Ab 2017 habe ich Strategien für die Finanzperspektive, das Wachstum, die Personalpolitik und auch den Firmenauftritt entwickelt und mit meinem Treuhänder diskutiert. Gleichzeitig investierte ich sehr viel in unsere IT, um das Unternehmen weiterzubringen. Zu Beginn war ich kein IT-Freak, habe aber begriffen, dass man investieren und auch im Nachfolgeprozess Seilschaften bilden muss, wenn man den Gipfel sicher erreichen will. Ich wollte, dass die Firma autonom bleibt und die Existenz langfristig gesichert ist.
Wann hast du den Entscheid im Unternehmen kommuniziert und was waren die Reaktionen deiner Mitarbeitenden?
Die Frage «Jürg, was machst denn du mal?» haben sie mir schon vor 10 Jahren gestellt. 2023 kommunizierte ich meinem Team, dass ich mit dem Nachfolgeprozess starte. Auch wenn sie froh waren, dass ich mit ihnen gesprochen habe, hatten einige Angst, wie es weitergeht. Ich habe meinen Mitarbeitenden immer kommuniziert, dass das Unternehmen ohne einschneidende Änderungen weitergeführt wird. Und es hat sich niemand anders orientiert, was mich sehr freute.
Wie intensiv waren die Emotionen während der Übergabe und wie gingst du damit um?
Einmal kommt der Moment, um loszulassen. Ich habe darauf hingearbeitet und viel mit meiner Familie gesprochen. Und mit so einer vertrauten Seilschaft fällt man nie ins Leere. Meine Emotionen waren zudem überwiegend positiv besetzt, denn ich habe im Verlauf dieses Nachfolgeprozesses viel gelernt und mit jedem weiteren Schritt wurde ich entspannter. Auch wenn es hie und da ein Auf und Ab war, hatte ich keine schlaflosen Nächte.
Was war dein einschneidendstes Erlebnis während der Verkaufsphase?
Ein sehr Positives. Ich hatte bereits eine Offerte, in welcher eine Provision enthalten war. Das wollte ich nicht eingehen. Im entscheidenden Moment kam Severin Aliprandi von der Gewerbe-Treuhand ins Spiel. Ich kannte Basti Klink, Co-Leiter am Standort Sursee, von einer Sitzung 2021 betreffend meinem IT-Projekt. So sind wir auf Severin Aliprandi gekommen.
In welchen Bereichen konnte dich die Gewerbe-Treuhand optimal unterstützen?
Mit 21 Jahren war mein Sohn Julius für eine Übernahme zu jung und er hatte auch beruflich andere Ambitionen. Mit Richi Bolt von der 3614 Holding AG hatte ich einen Käufer am Tisch, welcher auf Augenhöhe mit mir verhandelte. Bei all unseren Sitzungen mit Richi Bolt war der Ablauf stabil, verlief reibungslos und ohne grosse Fragezeichen.
Dennoch wollte ich den Verkaufsprozess nicht unbegleitet abwickeln und der Respekt der Käuferseite gegenüber einer kompetenten Begleitung bestätigte meinen Entscheid. Die Begleitung von Severin Aliprandi gab mir Rückenwind, auch durch seine realistische Einschätzung des Verkaufspreises und bei der Unterstützung der Due Diligence. Zudem hatte ich einen Plan B, welcher mir Sicherheit für die Verhandlungen gab.
Wie hast du dich auf die Zeit nach der Übergabe vorbereitet?
Mein Glück ist, dass ich als Bergführer weiterarbeiten kann. Es macht mir nach wie vor Freude und der Kreis schliesst sich so. Meine Frau geht demnächst in Rente und wir haben gemeinsame Interessen: Reisen, Kochen, Italien, Griechenland. Ich bin ein Bewegungsmensch und werde weiter aktiv sein und auch meine freundschaftlichen Beziehungen wieder besser pflegen. Diese freuen sich, dass ich wieder auf sie zukomme.
Kontakt: juerg.haltmeier@ikmail.com
bergundtal.ch